Montenegro


 1487 Kilometer in 32 Tagen

Mitte September bis Mitte Oktober 2019


Berge, Berge und noch mehr Berge. Das ist Montenegro. In fünf Nationalparks und auf ebenso vielen Panoramastraßen konnten wir uns an so viel abwechslungsreicher Natur gar nicht satt sehen. Insgesamt drei KFZ-Werkstätten haben wir hier besucht, doch nur einmal wollten die netten Mechaniker bezahlt werden.

 

Tipps und Tricks

Unbedingt probieren: Trilece, den Milchkuchen mit Karamellsoße bekommt man fast überall in Montenegro, Albanien und im Kosovo. In Kotor hat er uns so überzeugt, dass wir im Café vor den Toren der Altstadt gleich noch ein zweites Stück von dem mit Milch, Sahne und Kondensmilch getränkten Rührkuchen bestellen mussten.

Die Natur geniessen: in Montenegro gibt es einfach soviel davon, und kaum fährt man ein paar Kilometer weiter, verändert sich die Landschaft. Obwohl es nach dem Kosovo das kleinste Land auf unserem Weg durch den Balkan war, haben wir hier die meiste Zeit verbracht.

Von der Kleinstadt bis in die Metropole

Die meisten Sehenswerten Städte liegen an Montenegros Küste. Im Vergleich zum Hinterland ist diese recht zugebaut, nicht selten finden sich riesige Rohbau-Skelette an einem schönen Sandstrand.

Im Norden sind es vor allen Dingen Perast und die Unesco-Weltkulturerbe-Stadt Kotor, die uns zu einem längeren Bummel durch deren mittelalterliche Altstädte mit den schönen Kirchen und venezianischen Palästen locken. Auf einer Radtour um die Bucht - an der engsten Stelle kann man mit einer Fähre übersetzen - sind die beiden Orte perfekt für einen kurzen Zwischenstopp. Mit unserem Pausenbrot auf der Mauer in Perast sitzend, beobachen wir die kleinen Boote, die Touristen auf die nur wenige hundert Meter entfernte Klosterinsel bringen, im Hintergrund die riesigen ein- und auslaufenden Kreuzfahrtkolosse.

Etwas kleiner, aber nicht weniger historisch, sind dagegen die Altstädte von Ulcinj, Budva und Stari Bar. Letztere ist in ein Freilichtmuseum umgewandelt, heute lebt dort niemand mehr. Die alten Gebäude sind nur teilweise wieder aufgebaut, viele Ruinen von Gras überwuchert. In Budva mehr noch als in Ulcinj finden sich hinter den alten Stadtmauern vor allem Restaurants, Cafés und Souvenirläden, die manchmal etwas zu sehr den Blick auf sich, weg von den schönen alten Gebäuden, lenken. Nichtsdestotrotz sind die beiden Orte an der Adria eine willkommene Abwechslung als Pause zwischen all unseren Wanderungen.

Petrovac ist ein niedliches kleines Fischerdörfchen mit etwas Strand. Entlang der Promenade bekommt man neben leckerem Fisch auch jede Menge Angebote zum Übersetzen auf eine winzige Insel mit Kapelle. Die überzeugendsten Argumente hat ein gut gebräunter junger Herr: „Mister! If you don’t go there, you will be depressed!“ Wir können uns das Lachen nicht verkneifen, bei so guten Gründen fällt es uns natürlich nicht leicht, abzulehnen. Erst auf unserem Stellplatz nach unserem Besuch in dem Fischerort machen wir noch eine nette Entdeckung: Ein Küstenweg verläuft durch mehrere in den Stein geschlagene Tunnel einige Meter über dem Meer und verbindet so einen schönen Sandstrand mit dem Ort. Er beginnt ganz versteckt am westlichen Ende von Petrovac hinter einer Hotelanlage. Das erklärt auch, die vielen Badegäste an unserem Stellplatz.

Podgorica stand ursprünglich nicht auf unserem Plan, lediglich unser Rußpartikelfilter führt uns in die Hauptstadt. Dennoch verbringen wir hier zwei sonnige Tage und schlendern kreuz und quer durch die Stadt und entlang der Morača bis über die Milleniumbrücke. Der Baustil in der Stadt ist bunt gemischt, osmanische Viertel wechseln sich ab mit Architektur aus der Zeit Jugoslawiens, als die Stadt noch Titograd hieß, und modernen westeuropäisch geprägten Gebäuden. Die grüne Oase der Stadt liegt gleich hinter dem Stadion. Im Gorica Park gibt es einen kleinen mediterran angelegten Garten, eine winzige Kapelle mit einem zugewachsenen Friedhof und ein Partisanendenkmal zu entdecken. Ein Plätzchen für müde Füße findet sich zwischen Stadion und dem Platz der Republik für jeden Geschmack. Neben deutschen Bierkneipen gibt es zum Glück aber auch balkanesische Küche. Schnell als Ausländer enttarnt, bekommen wir hier den ein oder anderen hilfreichen Tipp für unsere Weiterreise.

Das Kloster Ostrog schmiegt sich weit oben im Gebirge an eine steile Felswand. So voll, dass man keinen Schritt mehr gehen kann ohne irgendjemandem auf den Fuß oder ein anderes Körperteil zu treten, sieht der Boden aus wie ein bunter Flickenteppich. Offensichtlich ist gerade heute eine Völkerwanderung zum Kloster unterwegs, die alle dort im Freien um die komplette Anlage herum picknicken und übernachten wollen. Da es absolut kein Durchkommen mehr gibt, begnügen wir uns mit dem Anblick von außen.

Abenteuer Natur

Der Durmitor Nationalpark ist unser Favorit in Montenegro. Unser Stellplatz befindet sich nur wenige Gehminuten vom schwarzen See entfernt, sodass wir hier noch vor den Tagestouristen die Morgenstimmung genießen können. Zu dieser Zeit ist das umgebende Gras noch mit feinem Tau überzogen, der Nebel zieht nur langsam von der Wasseroberfläche. Spiegelglatt liegt er vor uns. Nach diesem Naturschauspiel beginnen wir unsere Wanderung zur Ledena pecina, einer Eishöhle. Ein guter Wanderweg führt zunächst immer bergan, die zweite Hälfte des Weges dagegen ist ein kräfteraubendes Auf und Ab über größere und kleinere Steine. Entlang des Weges verstecken sich immer wieder tiefe Felsspalten, die keine Unachtsamkeit zulassen. Schon fast am Ziel angelangt, geben wir beinahe auf, die Höhle noch zu finden. Ein letzter Versuch führt uns dann einen Weg etwas bergauf und da liegt sie vor uns: die Eishöhle, in der selbst jetzt nach dem langen Sommer noch ein paar kleine Eisstalagmiten auf dem Boden stehen. Denselben Weg wollen wir nur ungern noch einmal gehen, daher führt uns unser Heimweg über eine große Runde, etwas weiter südlich des Hinwegs, zurück. Unsere schmerzenden Füße danken uns den deutlich angenehmeren Pfad.
Am darauffolgenden Tag ist Pause angesagt. Die Herbstsonne wärmt noch immer, und so besteht unser Tag aus Schwimmen im See gefolgt von einem Schläfchen auf den sonnenbeschienenen Felsen. Gut erholt wollen wir uns den höchsten Berg des Durmitormassivs, den Bobotov Kuk, natürlich nicht entgehen lassen. Dazu wählen wir den Aufstieg vom Sedlo-Pass aus. Von Weitem wirken die Bergspitzen am Pass wie zwei riesige Kamelhöcker. Auf dem Parkplatz wedeln ein paar große zottelige Hütehunde um uns herum. Trotz der Nähe zu unserer vorangegangenen Wanderung ist hier die Landschaft schon wieder ganz anders. Weniger felsig, dafür weite grüne Ebenen, nur die Bergspitzen sind grau und lassen verschiedene Gesteinsschichten erkennen. Kurz vor der letzten Passage, die sich schraubenförmig dem Gipfel zu windet, liegt ein kleiner durch die Sommerhitze fast ausgetrockneter See. Endlich oben auf 2523 Metern angekommen, wartet schon ein weiterer „Kletterer“ auf uns. Ein kleiner Rottweilermischling hat es sich auf dem allerhöchsten Punkt gemütlich gemacht. Langsam kommt er angetrabt, nimmt auf Christians Oberschenkeln Platz, lässt sich den Nacken kraulen und etwas von unserem Proviant schmecken, bevor er von neuem die Augen schließt und weiter döst. Zeit für uns, den Abstieg anzutreten. Auch hier wählen wir wieder eine Alternativroute, die uns drei Kilometer von unserem Parkplatz entfernt zurück auf die Straße bringt. Und diese letzten Kilometer an der Straße haben es in sich. Während gut gelaunte Rennradfahrer den Sedlo-Pass hinabsausen, scheinen die Serpentinen nach oben für uns kein Ende zu nehmen. Schon etwas ausgekühlt durch den einsetzenden Nieselregen, sinken wir glücklich und erschöpft in unsere Fahrerkabine. Vom selben Parkplatz aus entdecken wir übrigens noch einen Klettersteig. Dieser ist aber leider privat und darf nur im Rahmen einer Führung begangen werden.

Die Tara ist wohl der bekannteste Raftingfluss auf dem Balkan. Die knapp 80 Km lange Schlucht, durch die sie im Norden Montenegros verläuft, ist die längste und tiefste in Europa. Von der Tara-Brücke kann man einen Blick hinein werfen. Nur zu gern würden wir unsere Packrafts mit einem Zelt beladen und die Schlucht auf einer mehrtägigen Tour durchpaddeln. Leider werden die Nächte aber schon viel zu kalt dafür. Und so begnügen wir uns mit einem kurzen Stück von etwa 7 Km auf dem glasklaren türkisblauen Wasser. Fest steht aber, wir kommen definitiv wieder!

Nationalpark Prokletje: die verwunschenen Berge befinden sich im Grenzgebiet zu Albanien und dem Kosovo. Von Gusinje aus nehmen wir den westlichen Weg in den Nationalpark. Ganz am Ende der befestigten Straße landen wir in einem einsamen Tal. Hier beginnt unsere heutige Tour. Durch dichte Wälder führt unser Pfad über die Baumgrenze. Hier erwartet uns der Herbst. Während im Tal noch alles grün ist, leuchten hier bereits hunderte von Heidelbeersträuchern in allen Rottönen, fast als stünden sie in Flammen. Im Hintergrund ragen schroffe Felsnadeln dem Himmel empor. Mit einem Bein in Montenegro und dem anderen in Albanien laufen wir auf dem Grat von dem Gipfel des Popadija zu dem des Talijanka. Mit gut 2000 Metern der höchste Punkt des heutigen Tages. In ein paar Wochen werden wir diese Berge noch einmal zu Gesicht bekommen. Dann aber von albanischer Seite, wenn wir im nahen Lepushë ein letztes Mal in diesem Jahr in die Berge steigen. Nah an der Felskante wandern wir weiter, lassen bei einer Pause die Beine über die Felskante nach unten baumeln. Weit unter uns können wir winzig klein, silbergrau glänzend, unser Zuhause erkennen. Über den Maja e Can geht es vorbei an einer grasenden Herde Pferde zurück ins Tal. Zur Belohnung gibt es an der kleinen Almhütte neben unserem Stellplatz einen eiskalten Jogurt mit Heidelbeeren.

Den Nationalpark Biogradska Gora nutzen wir nur für einen kurzen Zwischenstopp. Vom Parkplatz aus laufen wir einmal um den Biogradska jezero. Die Sonne schickt hin und wieder einen wärmenden Strahl durch den sonst sehr dichten Laubwald. Ein kurzes Stück der Runde führt über einen Holzsteg, darunter sieht es aus wie zu Urzeiten. Riesige mannshohe Blätter wachsen aus dem feuchten Untergrund, Vögel und Frösche tönen um die Wette.

Lovcen Nationalpark: Inzwischen ist fast im ganzen Land Herbst geworden. Während unserer Halbtagswanderung zum Aussichtspunkt Babina glava spazieren wir die meiste Zeit durchs raschelnde Laub. Am Ziel schiebt sich just in dem Moment unserer Ankunft eine dicke Wolke über die Berge. Für einen kurzen Augenblick hat sie Mitleid mit uns und gibt den malerischen Blick auf die Bucht von Kotor frei.

Montenegros schönster Strand befindet sich ganz im Süden bei Ulcinj. Im Oktober sind wir die einzigen Besucher, alle Strandbars haben bereits geschlossen. Auch auf der nahen Insel Ada Bojana mit ihren Fischtavernen ist nicht mehr allzu viel los. Mit kilometerlangen Strandspaziergängen und unserem Lenkdrachen vertreiben wir uns die Zeit. Selbst Baden gehen ist noch gut möglich. Nur die vielen Fliegen und Mücken zwingen uns nach drei Tagen dann doch zum Aufbruch. Die sind oft so penetrant, dass wir uns ab der Dämmerung trotz angenehm milder Temperaturen nicht mehr draussen aufhalten können.

Der fünfte und auf unserer Montenegroreise letzte Nationalpark ist der Skutarisee an der Grenze zu Albanien. Zwei Drittel seiner Fläche liegen auf montenegrinischer Seite. Bei Virpazar werden verschiedene Bootstouren angeboten. Der Neffe unseres Campingplatzbetreibers, ein angehender Kapitän, der in Kotor Nautik studiert, fährt für einen halben Tag mit uns aufs Wasser, um Wasservögel zu beobachten und von einem kleinen Einsiedlerkloster den atemberaubendem Blick auf die Seenlandschaft zu genießen.

Nicht allzu fern von Podgorica führt eine kleine Rundwanderung vom Dörfchen Korita bis zur albanischen Grenze. Die beiden Länder trennt hier an dieser Stelle eine tiefe Schlucht, in die man vom Aussichtspunkt Grlo sokolovo, der „Kehle des Falken“, blicken kann. Ganz klein erkennt man das albanische Städtchen Tamara. Es liegt auf der schönen Route nach Vermosh. Aber das ist eine andere Geschichte...

Autokino

In Montenegro gibt es mehrere durchnummerierte Panoramastrassen, die das ganze Land durchziehen. Wir empfinden jede davon als absolut lohnenswert. Mehr als einmal verlassen wir unseren eigentlichen Weg, nur um zu sehen, wie es hinter einer Kurve in die andere Richtung weitergeht. Und oft werden wir mit einer ganz neuen Landschaft überrascht.

Am besten gefällt uns der Durmitor-Ring, die knapp 80 Km lange Panoramaroute Nr. 2. Die Strecke führt durch das Durmitor Gebirge, unter Anderem nach Trsa, einem Hochplateau auf 1400 Metern, nach Žabljak und über den Sedlo-Pass. Wir befahren die Runde mit Zwischenstopps und Wanderungen streckenweise über mehrere Tage. Der Nebel in der Berglandschaft verleiht unserer Tour eine einmalige Atmosphäre. Da ist es gar nicht so schlimm, dass durch das Grau die Sicht etwas eingeschränkt ist.

Mehr als genug tolle Natur gibt es auch auf der Panoramaroute Nr. 3, die von der Bucht von Kotor hinauf zum Lovcen Nationalpark mit seinen engen Serpentinen und entlang des Skutarisees führt. Nr. 4 verläuft als „Runde über Korita“ von Podgorica bis fast zur albanische Grenze und Nr. 1 „die Krone von Montenegro“ befahren wir auf dem sehenswerten Abschnitt zwischen Mateševo und Andrijevica, auf den wir uns eigentlich nur zufällig verfahren.

Schöner Schlafen

In Montenegro ist eigentlich jeder Stellplatz ein Highlight. Wer autark ist, hat die Möglichkeit, für eine geringe Eintrittsgebühr in den Nationalparks zu übernachten, z.B. im Durmitor Nationalpark oder im Prokletje Nationalpark. Abgesehen von ein paar Kühen ist man im Herbst oft völlig alleine. Ähnlich sieht es am Strand bei Ulcinj und der Halbinsel Luštica aus. Auch hier verirrt sich im Oktober kaum ein Mensch her.

Doch fast genau so schön sind die Campingplätze. So zum Beispiel Camp Grab an der Tara. Hier lebt Dimitri mit seiner Familie und einem jungen Team aus freiwilligen Helfern weit ab von großen Ortschaften. Als Kajakfahrer ist er der perfekte Ansprechpartner, wenn man die Tara befahren möchte.

Lach- und Sachgeschichten

Über den hinterlistigen Angriff der Kühe auf unser Gefährt haben wir im Nachhinein ganz schön gelacht. Auf einer kleinen Waldstrecke bietet sich für uns die Möglichkeit auf einer Lichtung anzuhalten. Unser Holzvorrat geht zur Neige und so nutzen wir die Möglichkeit, ihn wieder etwas aufzustocken. Wir sind so gut wie fertig, als wie aus dem nichts sieben Bullen auftauchen und sich interessiert um unsere Motorhaube scharen. Ihre Begeisterung hält sich allerdings in Grenzen, im Gegenteil: wildes Schnauben und Hufgescharre! Einer von ihnen ist besonders aufgebracht und stößt immer wieder mit den langen Hörnern gegen die Fahrertür. Während ich Christian auffordere, einfach loszufahren, hat er Bedenken, die Tiere mit dem Motorgeräusch nur noch mehr zu verärgern. Als nach einigen endlos erscheinenden Minuten dann endlich der Weg nach vorne frei wird, starten wir schnell durch. Damals haben wir ganz schön geschwitzt.

Den meisten Spaß hatten wir sicherlich in Gorans Werkstatt in Žabljak. 24 Stunden lachen, experimentieren, fluchen, hoffen und schlafen wir auf dem Werkstattgelände. Mit dem Chef einer großen Baufirma repariert Christian gemeinsam das Motorrad eines holländischen Langzeitreisenden nach einem Zusammenstoß mit einem Schaf. Wir werden zu Kaffee und Palatschinken eingeladen. Verständigen uns mit Händen und Füßen. Nur unser Rußpartikelfilter, der will einfach nicht. Keine müde Mark will Goran von uns, trotz eines ganzen Tages Arbeit. So tuckern wir also noch am Abend im Notlauf 125 Km in die Hauptstadt Podgorica. Der Unterschied ist wie Tag und Nacht. Super professionell, im schicken Anzug und perfektem Englisch, mit ein klein bisschen Arroganz, werden wir empfangen, diese Nacht verbringen wir nicht zwischen alten LKW-Reifen und lautem Hundegebell, sondern gut bewacht vom Nachtwächter direkt vorm Eingang des schick glänzenden Autohauses. Und nach zwei Tagen ist alles wieder in Ordnung. Der Grund für die Probleme: Auf dem Balkan gibt es nun mal keine Autobahnen, um die Temperaturen und Geschwindigkeiten zum Freibrennen des Rußpartikelfilters zu erreichen. Zum Aktivieren braucht man die Originalsoftware, die Goran in Žabljak natürlich nicht hat. Tipp vom Profi in Podgorica: aller 500 Km die Drehzahl von 2500 Umdrehungen pro Minute für zehn Minuten konstant  halten. Glücklich über den doch recht kostengünstigen Ausgang unseres Problems, starten wir Versuch Nummer 2 nach Žabljak.

 

Erstellt am 08. Februar 2020

Schweiz


 554 Kilometer in 7 Tagen

Mitte Juli 2019


Innerhalb von einer Woche durchqueren wir die Schweiz einmal von Nord nach Süd und nutzen die Zeit vor allem für einen Familienbesuch vor der langen Reise. Und dennoch beeindruckt uns die Natur der Alpen so sehr, dass die Weiterfahrt nicht ganz leicht fällt.

 

Tipps und Tricks

Unter hohen schattenspendenden Bäumen lockt das Grotto, ein typischer Biergarten im Tessin, bei einem Sommerspaziergang zur Pause. Zu Essen gibt es meist Antipasti oder sehr leckere Polenta. Dazu ein Glas kühler Wein, so hat schon Herrmann Hesse seine Zeit hier gut ausgehalten. Und auch so manchem Tier gefällt es hier ganz gut. Als es dunkel wird, traut sich bei unserem Besuch eine dicke Kröte bis an unseren Tisch, zu unserer Erheiterung unter grossem Geschrei der anwesenden Damen.

Von der Kleinstadt bis in die Metropole

Spiez liegt idyllisch am Ufer des Thunersees. Bei unserem Tagesausflug spazieren wir hinauf auf den Rebberg-Erlebnispfad, der auf verschiedenen Stationen die Arbeit des Winzers vorstellt. Von ganz oben blicken wir bis zum anderen Ende des Sees. Zurück am Wasser radeln wir entspannt am Ufer entlang. Bis nach Interlaken und den angrenzenden Brienzersee kommt man auf diesem Weg. An fast jeder Stelle bietet sich Gelegenheit für eine Abkühlung. Und das klappt im Thunersee mit einer durchschnittlichen Wassertemperatur von 18° C im Juli wirklich gut.

Lugano: Die Stadt in der Südschweiz versprüht viel italienisches Flair. Auf der Piazza della Riforma genehmigen wir uns einen Cappucino, bevor wir am weitläufigen Luganersee über den Parco civico in westliche Richtung spazieren. Unser Ziel ist der Aussichtsberg Monte Brè. Für die Faulen gibts auch eine Bahn nach oben, doch wir ziehen den Fußweg durch den bewaldeten Hügel vor. Oben angekommen erwartet uns das gleichnamige niedliche Dörfchen Brè und eine große Portion Polenta mit Käse.

Abenteuer Natur

Nur etwa 25 Km von Spiez entfernt lockt jede Menge Nervenkitzel auf wohl einem der schönsten Klettersteige der Schweiz. Von Kandersteg geht es nach wenigen Minuten über mehrere Leitern, zwei Nepalstiegen und viele Eisenstifte die steile Bergwand entlang nach oben. Vorbei an Wasserfällen bieten sich immer wieder spektakuläre Aussichten. Wer Fotos machen möchte, sollte seine Kamera dabei gut festhalten. Für Christian, der bisher nur die kurzen Klettersteige der sächsischen Schweiz kannte, nicht ganz ohne, vor allem beim schwindelerregenden Blick in die Tiefe. Nach knapp drei Stunden haben wir die 350 Höhenmeter überwunden. Oben angekommen gibt es auf der Allmenalp erst einmal ein kühles Bier zur Belohnung. Obwohl das Wetter diesmal nicht ganz mitspielt, das Bier schmeckt auch im Nebel.

Unser zweiter Stopp führt uns ins Tessin, genauer gesagt ins wilde Verzasca-Tal. Etwa 20 Km weit fahren wir mit dem Auto bis Sonogno ins Tal hinein. Allein die Anfahrt durch das schroffe Tal mit den kleinen grauen Steinhäusern ist schon ein Grund, hierher zu reisen. Ab da geht es nur noch zu Fuß weiter. Über Cabioi geht es über 1000 Höhenmeter nach oben bis zum Refugio Barone, eine voll ausgestattete Hütte zur Selbstversorgung und mit Möglichkeit zur Übernachtung. Von hier aus sind mehrtägige Hüttenwanderungen, wie die Via Alta Gratwanderung, möglich. Oben angekommen spüren wir deutlich jeden einzelnen Muskel unserer Oberschenkel. Nach einer ausgiebigen Pause bei absoluter Ruhe wandern wir auf gleichem Wege zurück. Und schon beim Abstieg beschließen wir: wir kommen wieder hierher, dann aber mit Schlafsack und Proviant für mehrere Tage hoch oben auf den Hütten.

Am nächsten Tag radeln wir zum nahegelegenen La Froda Wasserfall, der zum Verweilen eingeladen hätte, hätte uns nicht eine Busladung Jugendlicher schnell wieder vertrieben. Und so machen wir unseren Bus startklar für die Weiterreise, denn pünktlich zum Beginn des Wochenendes füllt sich der Stellplatz zu Füßen der Berge.

Autokino

Auch wenn es für uns mit dem Autoverlad Lötschberg eine deutlich kürzere Strecke gen Süden gegeben hätte, entscheiden wir uns für die Fahrt über Grimsel-, Furka- und alten Gotthardpass. Hier gibt es jede Menge Möglichkeiten für Zwischenstopps mit toller Aussicht oder zum Wandern. Eine Pause legen wir am Rhonegletscher auf dem Furkapass ein. Im 19. Jahrhundert reichte dessen Zunge noch tief ins Tal hinein. Auf dem Gotthardpass verbringen wir die Nacht. Bei unserer Wanderung vom Parkplatz in Airolo zum Lago della Sella hören wir schon von weitem das Pfeifen der Murmeltiere. Doch erst auf den zweiten Blick entdecken wir sie dann auch weit unter uns in einer Senke.

Schöner Schlafen

In Airolo auf dem Gotthardpass in 2091 Meter Höhe direkt am See ist es ganz schön windig. Wir werden ein wenig durchgeschüttelt, doch die frische Luft am nächsten Morgen macht uns schnell munter.

In Sonogno am Ende des Verzasca-Tals gibt es einen offiziellen Stellplatz. Einen Teil der Parkgebühr gibts in Form von Naturalien wieder. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen, und gönnen uns nach unserer Wanderung und einer Freiluftdusche jeder eine Stange Bier. Einziges Manko auf dem Stellplatz sind eine schier unendliche Anzahl von Fliegen! Eine Fliegenklatsche gehört hier auf jeden Fall zur Grundausstattung.

 

Erstellt am 05. Februar 2020