Kosovo


614 Kilometer in 7 Tagen

Ende September 2019


Das kleine Land hat uns ganz schön überrascht. Erstaunlich modern kommen die Städte daher, dazwischen können wir schlaglochfrei über den Asphalt rollen. Die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen gegenüber Besuchern macht einfach Lust, den Kosovo zu entdecken.

 

Tipps und Tricks

Ein Schwätzchen am Straßenrand halten. Hier kann gefühlt jeder zweite deutsch und freut sich über den Besuch aus Deutschland. Bei kurzen Pausen wurden wir immer wieder angesprochen, die Grenzbeamten sind freundlich, wie nirgendwo sonst und begrüßen uns in unserer Muttersprache, und am Straßenrand werden wir sogar von Jugendlichen bejubelt. Was sollen wir sagen?! Wir haben uns eine Woche lang wie VIPs gefühlt.

Schick Essen gehen: bei den niedrigen Preisen verschätzt man sich schnell und bestellt Mengen, nach denen selbst Christian, der sonst nichts übrig lässt, am Ende des Abends Mühe hat, nicht aus dem Restaurant zu rollen. Sehr lecker war es zum Beispiel in Pejë im Kulla e Zenel Beut.

Kleiner Tipp zum Thema Bargeld im Kosovo: bezahlt wird mit Euro, im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern kann man hier mit seiner Kreditkarte nicht überall kostenlos Geld abheben. Lediglich BKT und NLB verlangen keine zusätzlichen Gebühren.

Von der Kleinstadt bis in die Metropole

Priština, die Hauptstadt des Kosovo, erwartet uns mit einem Verkehrschaos und dem wohl hässlichsten Stellplatz. Nachdem wir uns durch einen riesigen vier- oder fünfspurigen (wer weiß das schon so genau?!) Kreisverkehr durch eine Baustelle gequält hatten, erreichen wir den Parkplatz hinter dem Stadion. Auch hier wieder Chaos, Hupen, umherfliegende Plastiktüten und Obst- und Gemüsereste. Zumindest zentral gelegen, machen wir uns von hier auf, die Stadt zu erkunden. Um den Mutter-Teresa-Boulevard, die Fußgängerzone Prištinas, reihen sich hippe Bars und Cafés. Am Ende der Straße gelangt man auf den Skanderbeg-Platz, mit einer Statue des Nationalhelden, der uns auf unserer gesamten Balkanroute verfolgen sollte. Kurz dahinter beginnt das Wirrwarr des Basarviertels mit seinen Moscheen, dem alten Hamam und einigen erhalten gebliebenen osmanischen Häusern, in einem davon ist ein sehenswertes kleines ethnografisches Museum untergebracht. Auf den engen Basarstraßen stehen randvolle Säcke mit roten und gelben Spitzpaprika, dazwischen schiebt sich immer wieder ein Wagen durch die Menschenmengen. Etwas abseits werden Elektroteile und Kleidung angeboten, von niedrig hängenden Planen überdacht, wir müssen ein Weilchen suchen, bis wir zwischen all den Ständen den Weg wieder heraus finden. Unser Weg führt uns weiter zur Nationalbibliothek, die mit ihren Kuppeln und der umgebenden Metallkonstruktion rein optisch sicher nicht jedermanns Sache ist. Bei einem Blick nach drinnen, werden wir direkt zu einer Buchpremiere eingeladen. Okay, verstanden haben wir nichts, aber zumindest für die folkloristische Darbietung am Ende mussten wir das ja auch nicht. Schräg gegenüber beenden wir unsere Stadttour an der Mutter-Teresa-Kathedrale, die für die weniger als drei Prozent Katholiken im Land viel zu groß erscheint. Wir waren überrascht, wie modern Europas jüngste Hauptstadt wirkt.
Am nächsten Tag besuchen wir unweit von Priština das Bear Sanctuary. Hier finden Bären, die oft jahrelang in engen Käfigen zur Belustigung von Restaurantgästen gehalten wurden und Sonne und Regen schutzlos ausgesetzt waren, ein neues Zuhause. In großen Freigehegen leben inzwischen 20 Braunbären. Um die Bevölkerung mehr für den Tierschutz zu sensibilisieren, wurde zudem ein Infocenter eingerichtet.

Prizren: Die bunte Stadt an der Bistrica wartet mit viel Kultur und leckerem Essen auf uns. Über eine alte osmanische Steinbrücke gelangt man in die Altstadt. Hier geht es vorbei an vielen einladenden Restaurants zur Sinan-Pascha-Moschee mit dem höchsten Minarett des Balkans. Weiter oben, auf einem Hügel, liegt die mittelalterliche Festung. Angeblich war das Gebiet bereits zur Bronzezeit besiedelt. Beim Spaziergang über das Gelände sollte man sich von dem schönen Stadtblick aber nicht zu sehr ablenken lassen, Sicherungen gibt es nämlich nicht überall. Ein Schritt weiter auf der plötzlich endenden Burgmauer und wir hätten uns alle Gliedmaßen gebrochen! Wer mag, kann ja mal versuchen, die unzähligen Minarette der Stadt zu zählen, mehr als 20 an der Zahl konnten wir ausmachen. Das archäologische Museum, untergebracht im ehemaligen Hamam, war während unseres Besuchs leider geschlossen, und so besuchen wir stattdessen das Gebäude der albanischen Liga, die im osmanischen Reich die Selbstverwaltung von Albanern bewohnter Gebiete forderte. Auch in Prizren waren die Menschen wieder wahnsinnig freundlich. Beim Versenden unserer Postkarten, die wahrscheinlich noch aus einer Auflage aus den 90ern stammten, wurden wir, als Touristen enttarnt, gleich von allen nach vorn gelassen. So viel Service sind wir gar nicht gewohnt.

Rahovec ist das Weinzentrum des Kosovo. Der Ort selbst bietet keine wirklichen Sehenswürdigkeiten, dafür aber mehrere Winzereien. In einer kleinen Garage war der Besitzer von Labiwine, tatkräftig unterstützt von seinen beiden Kindern, gerade dabei abzufüllen. Wir durften uns durchs ganze Sortiment probieren. Insbesondere der für die Region typische Vranac, der auf dem Balkan vermutlich schon seit dem Mittelalter angebaut wird, mit seinem kräftigen Geschmack ist besonders lecker. Mit einem Karton unterm Arm ging es zurück zu unserem Bus.

Kloster Dečani: An diesem Morgen sind wir die ersten Gäste, wir hatten ja auch direkt davor übernachtet. Gegen Abgabe unserer Pässe bekommen wir einen Besucherausweis. Ein junger Serbe führt uns spontan durch das Areal. Obwohl Kirchen und Klöstern nicht unser erstes Interesse gilt, gefällt es uns hier trotzdem sehr gut. Die ganze Kirche ist mit bunten Fresken geschmückt, sodass es wahnsinnig viel zu entdecken gibt. Wir erfahren, dass die Malereien im Inneren der Klosterkirche zu den besterhaltensten aus dem 14. Jahrhundert auf dem Balkan gehören, darunter eine weltweit einzigartige Darstellung von Jesus mit Schwert, und welche Farben genutzt wurden und von König Stefan Uroš III. Der grüne Klosterhof liegt friedlich von dickem Gemäuer umgeben. Hin und wieder verirrt sich ein Mönch nach draußen.

Abenteuer Natur

Ganz in der Nähe von Pejë befinden sich in der Rugova-Schlucht zwei der wenigen Klettersteige des Landes. Zunächst muss ein Fluss auf einer Hängebrücke überquert werden, und dann hat man die Wahl zwischen dem Klettersteig Mat und Ari, oder geht einfach beide. Ersterer verläuft größtenteils waagerecht über Eisentritte an der Felswand entlang, immer mit Blick auf den Fluss und die gegenüberliegende Straße. Er führt zwar nicht so weit nach oben und die Ausblicke sind daher nicht ganz so schön, die Kletterpassagen gefallen uns dennoch gut. Am Ende klettern wir ein kurzes Stück durch einen Felstunnel nach unten, und schon stehen wir wieder auf der Straße. Länger und höher hinauf verläuft der Klettersteig Ari. Auch hier kann man meist gut zum Fluss im Tal sehen, hinzu kommt ein toller Weitblick Richtung Montenegro über die grünen Berge der Schlucht und ganz oben angekommen erblickt man Pejë. Am höchsten Punkt weht die schon von unten gut sichtbare albanische Flagge, von da an geht es wieder bergab. Zwischendurch müssen wir ein paar Mal nach dem richtigen Weg suchen, doch die gut hörbare Straße im Tal dient gut zur Orientierung.

Bei einem Abstecher etwa auf halber Strecke zwischen Pejë und Priština liegen die Mirusha Wasserfälle. Mehrmals ergießt sich das Wasser in kleine Felsbecken nach unten. Von einem Restaurant aus kann man nach oben klettern. Auf den steilen Wegen müssen wir mehrfach die Hände zu Hilfe nehmen. Die schöne Aussicht ins Tal und die Möglichkeit teilweise hinter den Wasserfällen entlang gehen zu können, trösten über den allgegenwärtigen Müll aber leider nur geringfügig hinweg.

Autokino

Die schönste Route führt uns durch den Sharr Nationalpark. Durch einen dichten bereits in Herbstfarben getauchten Wald verläuft hier die Straße nach Prizren am nördlichen Ausläufer des Sharr-Gebirges. Luchse und Bären soll es hier noch geben, die man aber selbst bei Wanderungen abseits der Hauptwege nur mit sehr viel Glück zu Gesicht bekommt.

Eine weitere lohnenswerte Strecke führt von Pejë bis nach Montenegro. Doch ist die Grenze seit 1999 in Folge des Kosovokrieges geschlossen. Der Weg durch die Rugova-Schlucht lohnt dennoch. Über Serpentinen führt der Weg vorbei an einem tiefen Wasserfall durch mehrere in den Fels geschlagene enge Tunnel. Vorab Hupen schadet sicher nicht, und verhindert unter Umständen, dass man - so wie wir - im Rückwärtsgang durch den kurvigen Tunnel zurück fahren darf.

Schöner Schlafen

Leicht fällt es uns hier ganz und gar nicht, schöne Stellplätze zu finden. Campingplätze gibt es nicht, und so stehen wir meist auf irgendeinem ungemütlichen Parkplatz in der Stadt. Die Ziele in den Bergen, welche wir uns ausgesucht hatten, müssen wir leider aufgeben. Die Wege sind für unseren Camper doch eine Nummer zu hoch. Eine willkommene Abwechslung ist dagegen unsere Nacht vor dem serbisch-orthodoxen Kloster Dečani. Erst kurz vor dem Ende der Besuchszeiten angekommen, müssen wir bis zum nächsten Tag abwarten. Als serbisches Kloster in kosovarischem Gebiet, welches mehrfach, zuletzt 2007, Ziel von Granatenangriffen war, ist das Gelände und die zuführende Straße durch italienische Kosovo Force Soldaten gesichert. Kurzerhand fragen wir den netten italienischen Carabinieri, ob wir die Nacht auf dem Parkplatz direkt vor dem Kloster verbringen dürfen. Nach einigen Telefonaten gibt er uns sein Okay. Gut bewacht von den KFOR-Soldaten, die uns am Abend noch mehrfach einen Besuch abstatten, verbringen wir hier die wohl ruhigste Nacht im Kosovo.

Lach- und Sachgeschichten

Bei Regen und Nebel erreichen wir nach zahlreichen Serpentinen die Grenze Montenegro - Kosovo. Da die grüne Karte im Kosovo nicht gilt, heißt es also erstmal Versicherung kaufen. Mit einer LKW-Zulassung will der nette Herr in seinem kleinen Büro geschlagene 130 Euro für 15 Tage. Wir müssen uns etwas einfallen lassen! Schritt 1: traurige und enttäuschte Blicke. Schritt 2: Der Hinweis, dass es sich ja eigentlich um einen Camper, aber eben selbstausgebaut, handele. Schritt 3: ihn dazu bewegen, sein warmes Containerbüro zu verlassen, um aus sicherer Entfernung einen Blick auf unser bereits hinter der Grenze geparktes Fahrzeug zu werfen. Nach einigen kritische Fragen schlussfolgert er: „Hm...it is a Special Car!“ Und für so ein Spezialauto sagt sein Computer: 15 Euro. Er ist schon ein bisschen stolz auf seine Speziallösung und freut sich mit uns gemeinsam. Mission accomplished! Zufrieden können wir nun ins jüngste Land Europas einreisen.

 

Erstellt am 03. Februar 2020

Slowenien


1080 Kilometer in 19 Tagen

Mitte Juli bis Anfang August 2019


Trotz seiner Größe, kaum größer als Sachsen, und mit gerade einmal knapp über zwei Millionen Einwohnern, hat Slowenien einiges zu bieten. Neben der touristisch gut besuchten Bergwelt, den Flüssen und Seen im Westen des Landes, lohnt sich auch ein Abstecher weiter nach Osten ins Weinanbaugebiet Posavje.

 

Tipps und Tricks

Der Duft von frischem Strudel dringt fast unaufhörlich aus den Küchen der Berghütten. Es gibt sie in allen möglichen Varianten, zum Beispiel gefüllt mit Äpfeln, Heidelbeeren oder Nüssen. Wer kann da schon standhaft bleiben?

Von der Kleinstadt bis in die Metropole

Auf nach Bled. Oder lieber doch nicht? Wir sind wohl nicht die einzigen mit der Idee den Ort mit der Insel inmitten des Sees zu besuchen. Und so quälen wir unseren Bären im Schritttempo inmitten einer kilometerlangen Auto-Karawane, vorbei an überfüllten Parkplätzen, am Rande des Sees entlang. Und entscheiden schnell: wir begnügen uns mit der Aussicht aus dem Seitenfenster. Ersatz ist schnell gefunden: zurück in die Natur!

Selbstverständlich wollen wir Sloweniens Hauptstadt Ljubljana nicht auslassen. Mit etwas mehr als 200.000 Einwohnern ist sie recht gemütlich. Hier lässt es sich wunderbar durch die Gassen flanieren, Plečniks Architektur bewundern, in den Markthallen Käse probieren oder in einem der vielen Cafés entlang der Ljubljanica entspannen und Leute beobachten. Informatives, aber auch Skurriles zur Stadtgeschichte gibts auf der gut gemachten Free Walking Tour, angefangen vom angeblich entlaufenen Bären, der tagelang gejagt wurde oder dem Grund, warum man seine Bücher besser nicht pünktlich in die Bibliothek zurückbringen sollte (es könnte ein Flugzeug vom Himmel genau in die Bibliothek stürzen, wie hier in Ljubljana im zweiten Weltkrieg geschehen). Unser Tourguide Helena liebt ihre Stadt, die die Bewohner frei mit „die Geliebte“ übersetzen, und das merkt man während der Tour durch und durch.

Ptuj, oder auf deutsch Pettau, im Osten Sloweniens erreichen wir pünktlich zum Stadtfest. Barocke Häuserfronten zieren die Straßen der Stadt. Ganz oben auf dem Hügel thront das Schloss, das besonders von der anderen Seite des Flusses schön anzusehen ist. Die Gegend eignet sich mit ihren vielen Thermalbädern außerdem wunderbar, um mal einen ordentlichen Waschtag nach all den provisorischen Camperduschen und eiskalten Flussbädern einzulegen.

Abenteuer Natur

Wie für viele andere Reisende auch ist Bovec im grünen Soča Tal unser erstes Ziel. Auf unserem Campingplatz sorgt ein patrouillierendes John Rambo Double in seinen besten Jahren auf einem Quad für Ordnung. Als Ausgangspunkt für Wanderungen entlang der Soča ist der Platz perfekt geeignet. Und so geht es, teils etwas abseits des eigentlichen Soča-Trails  (danke an unsere Navi-App!) entlang des smaragdgrünen Flusses über Stock und Stein aufwärts.
Neben einer weiteren Wanderungen am Ende der Kanin-Seilbahn, bei der wir mit den Gämsen durch die graue steinige Bergwelt um die Wette klettern, gibt es für uns noch ein ganz besonderes Highlight: unsere Packrafts kommen ein paar Kilometer weiter südlich bei Trnovo und Tolmin endlich zum Einsatz. Und diesmal nicht als entspannte Kaffeefahrt auf stehendem Gewässer. Im Vergleich zum Leipziger Seenland ist das Paddeln auf dem Fluss um einiges actionreicher. Nach einer Einführungstour mit Guide unternehmen wir, gepackt vom Packraft-Fieber, am nächsten Tag direkt noch eine weitere Tour auf der Soča auf eigene Faust. Mit Wildwasserstufe I und II zwar noch steigerungsfähig, aber perfekt zum Üben. Schöne Ausblicke auf die umgebenden Berge gibt’s inklusive. Zur Abkühlung nehmen wir am Tagesende die Low-Budget-Version eines Eises: ein eiskaltes Bad im Fluss.

Die folgenden Tage wollen wir erstmal etwas Höhenluft in den julischen Alpen schnuppern. Besser gesagt darf ich mein Geburtstagsgeschenk, eine mehrtägige Hüttenwanderung, einlösen. Wir hatten uns vorgenommen, den Triglav, Sloweniens höchsten Berg mit 2.864 Metern, zu erklimmen. Mit Sack und Pack (puh, schwerer als gedacht) und einer leichten Erkältung im Gepäck starten wir mit der Fähre über den Bohinjsee, um von Ukanc aus auf die Komna-Hütte zu wandern. Für den steilen dreistündigen Aufstieg auf 1.520 Meter werden wir mit einem tollen Ausblick auf den See belohnt. Für den ersten Tag reichts uns, wir verschlingen hastig Gulasch und Palatschinken von der netten Wirtin, und freuen uns auf unser Doppelstockbett. Tag 2 beginnt auf entspannten Wegen durch bunte Blumenwiesen, weiter bergauf an den sieben Seen (zugegeben, viel ist wegen der Sommerhitze nicht mehr von ihnen übrig) vorbei. In der Nähe des siebten Sees erreichen wir bereits gegen Mittag unser Tagesziel. Top fit und hoch motiviert beschließen wir, die Etappe noch bis zur nächsten Hütte zu verlängern. Hätten wir geahnt, dass der vor uns liegende Abschnitt fast ausschließlich über steile Geröllhänge führt, hätten wir vielleicht doch lieber die qualmenden Füße bei einem eiskalten Radler ausgestreckt. Endlich an der Dolič-Hütte angekommen, wollen wir nur noch eins: Ausruhen. Im zugeteilten Zimmer erwartet uns dann schon ein schnarchender Bettnachbar. Die Ohrstöpsel warten selbstverständlich in sicherer Entfernung in unserem Bus auf unsere Rückkehr. Also Augen zu und durch.
Leicht gequält machen wir uns am nächsten Morgen kurz nach 6 Uhr auf den Weg. Zu meiner Freude über noch mehr Geröll! Immer wieder auf und ab. Lediglich die fantastische Aussicht auf die umliegenden Berge und die sattgrünen Täler entlohnen uns für unsere Mühen. Gegen 10 Uhr erreichen wir unser vorläufiges Ziel, das Triglav Haus. Aus der ersehnten Frühstückspause wird wegen des angekündigten Regens leider nichts. Nach kurzer Überlegung und zumindest einer heißen Schokolade entscheiden wir uns für den direkten Aufstieg, bevor uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen kann. Über Felsen, entlang von Seilen und Eisentritten kommen wir dem Gipfel des Triglav immer näher. Oben angekommen erwartet uns, wie schon zuvor in der Schweiz: Nebel! Nichtsdestotrotz können wir immer mal wieder kurze Ausblicke auf die Umgebung erhaschen und sind mächtig stolz auf unseren ersten gemeinsamen Gipfel. Von nun an wandern wir nur noch steil taleinwärts. Auf der Vodnik-Hütte angekommen, fordert uns der Hüttenwirt forsch auf, gefälligst mit ihm Deutsch statt Englisch zu sprechen. Wir werden über den exakten Zeitplan in Kenntnis gesetzt: 17 Uhr Zimmerbezug, 18:30 Uhr Antritt zur Nahrungsaufnahme. So muss sich wohl der erste Tag beim Militär anfühlen. Wir haben gemeinsam mit den erstaunlich vielen Leipzigern auf dieser Hütte so unseren Spaß, unseren „Feldwebel“ bei der Arbeit zu beobachten. Und so feiern wir bis es dunkel wird unseren Erfolg mit ein (oder zwei) Gläsern Rotwein. Dem Duft des Apfelstrudels, der von der Dame des Hauses, selbstverständlich unter strenger Aufsicht des Wirts, zubereitet wurde, kann ich natürlich nicht widerstehen. Bis zum Ende unserer Slowenien-Reise sollte es nicht der letzte gierig verschlungene Strudel bleiben.
Nach vier Wandertagen wieder im Tal angekommen, können wir es kaum erwarten, unsere Rucksäcke und die Wanderstiefel loszuwerden, um uns ausgiebig im Bohinjsee zu erfrischen. Für mich gabs noch einen Strudel und für Christian eine Dusche im plötzlich einsetzenden Sommerregen 🙂

Es geht wieder mal aufs Wasser: Tinas Rafting Camp liegt fernab großer Straßen direkt an der Sava. Als hätten wir’s gewusst, findet am nächsten Tag der Free-Water Day statt, um ein Zeichen gegen den Bau von Staudämmen in Slowenien zu setzen. Wir können’s kaum erwarten, unsere Rafts ein weiteres Mal aufzublasen. Gemeinsam mit Kajakfahrern und Raftingbooten paddeln wir in großer Runde flussabwärts. Am Ende der Tour erwartet uns schon Tinas Frau mit frisch gegrillten Cevapci.

Umgebung von Ljubljana: Nach zwei Tagen Stadtluft zieht es uns wieder ins Grüne, ins Dörfchen Bistra. Nur wenige Kilometer südlich der Hauptstadt verirren sich nur wenige Touristen hin. Dabei gibt es hier wunderbare Wasserfälle, Sumpfgebiete und Heidelbeerfarmen zu erkunden. Und nette und gesprächige Menschen, wie die Kassiererin im Tante Emma Laden, die uns stolz ihre Deutschkenntnisse präsentiert: „Ich bin Banana.“ Und wir können nur bestätigen: ja, das ist sie.

Auf unserem Weg nach Osten machen wir halt in Roglav. Durch einen dichten Nadelwald führt eine Wanderung zum Lovrenško barje. Das etwa 7000 Jahre alte Moor durchquert man auf extra angelegten, teil schon etwas morsch gewordenen Holzwegen. Der gerade einsetzende Nebel verleiht unserem Ausflug etwas gespenstisches.

Weinberge um Ptuj und Ormož: Von hier aus kann man Radtouren durch die kleinen Dörfer der Weinregion unternehmen. Natürlich gibt es unterwegs jede Menge Möglichkeiten zum Probieren. Typisch für die Gegend: Šipon. Die Franzosen sollen einst gesagt haben: „ça c‘est si bon.“ Und so erhielt die Rebe ihren Namen.
Auch die Lagune Ormož ist ein entspannter Abstecher. In mehreren Beobachtungsständen beobachten wir Büffel, Wasservögel und jede Menge Kleingetier.

Autokino

Die Soča, mit ihrer fast unecht wirkenden türkisblauen Farbe, durchfließt Slowenien von Nord nach Süd. Und so lohnt sich eine Fahrt durch das Tal mit den zu beiden Seiten aufragenden Bergen der julischen Alpen auf jeden Fall. Noch besser: Zeit zum Aussteigen einplanen. An die schönsten Stellen kommt man nämlich nur zu Fuß.

Schöner Schlafen

Entlang der Soča gibt es jede Menge Campingplätze. Frei stehen ist in dieser recht touristischen Gegend leider unmöglich. Am wohlsten fühlen wir uns auf dem Campingplatz in Trnovo und im Camp Gabrje kurz vor Tolmin, wo man die vielen Gleitschirmflieger beobachten kann. Beide Plätze liegen direkt am Fluss, sodass einem Sprung ins kühle Nass nichts im Wege steht.

Rafting Camp Tina, hier ist alles familiengeführt, was für eine entspannte Atmosphäre sorgt. Es liegt ebenfalls direkt am Fluss, diesmal an der Sava, die deutlich weniger befahren ist als die Soča.

In Bistra gibt es, wie in anderen kleinen Ortschaften in Slowenien, einen offiziellen kostenfreien Stellplatz. Direkt daneben befindet sich ein Technikmuseum und mit dem Fahrrad ist man von hier aus schnell in der schönen Umgebung.

Mitten in den Weinbergen dürfen wir nach einer kleinen Verkostung vor einem Weingut in der Nähe von Svetinje nächtigen. Mit dem letzten Schluck Wein verschwindet gerade die orangefarbene Sonne hinter sattgrünen Hügeln.

Lach- und Sachgeschichten

In Bistra unweit von Ljubljana freuen wir uns über den schönen Sonnenuntergang hinter den weitläufigen Weideflächen. Ein großer Topf mit Spaghetti findet gerade den Weg in unsere Mägen. Als es wenig später satt und zufrieden ins Bett gehen sollte - es war inzwischen dunkel geworden - knirscht plötzlich etwas unter meinem Schuh. Die Taschenlampe verrät schnell den Grund: um uns herum Hunderte von Nacktschnecken! Unermüdlich kriechen sie aufwärts, am Stuhl, an den Tischbeinen, an den Autoreifen. Mit Stock bewaffnet landen sie eine nach der anderen alle wieder im angrenzenden Feld. Von der Existenz eines ungebetenen Gastes erfahren wir allerdings erst am nächsten Morgen, und so durfte Schnecki im mollig warmen Bus direkt unter unserm Bett verbringen. Ein Glück, dass sie nicht noch weiter hoch kroch!

 

Erstellt am 03. Februar 2020